Elektroinstallation im Altbau erneuern: Kosten, Pflichten & Ablauf
Wann muss die Elektroinstallation im Altbau erneuert werden? Alle Kosten, Bestandsschutz-Regeln und der Ablauf auf einen Blick. Jetzt lesen!
Elektroinstallation im Altbau erneuern: Kosten, Pflichten und Ablauf
Viele Gebäude in Deutschland, die vor 1980 gebaut wurden, entsprechen nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards. Veraltete Stoffleitungen, fehlende FI-Schutzschalter und zu wenige Steckdosen gehören im Altbau zum Alltag. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wann eine Sanierung zwingend erforderlich ist und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.
Wann greift der Bestandsschutz nicht mehr?
Grundsätzlich gilt in Deutschland für bestehende Elektroanlagen ein sogenannter Bestandsschutz. Das bedeutet: Solange eine alte Anlage den Normen zum Zeitpunkt ihrer Errichtung entsprach und funktionstüchtig ist, muss sie nicht zwingend umgerüstet werden.
Der Bestandsschutz erlischt jedoch sofort, wenn:
- Signifikante Erweiterungen vorgenommen werden (z. B. Einbau einer Wärmepumpe, Photovoltaikanlage oder Wallbox)
- Gefahrenstellen vorliegen (z. B. beschädigte Isolierungen, alte Klassische Nullung ohne separaten Schutzleiter)
- Umfassende Modernisierungs- oder Umbauarbeiten im Gebäude stattfinden
Sollte Ihre Anlage noch über alte Schmelzsicherungen oder gar Stoffummantelungen verfügen, ist eine Prüfung durch eine Elektrofachkraft dringend anzuraten.
Kostenrichtwerte für die Erneuerung der Elektrik
Die Gesamtkosten hängen stark von der Wohnfläche, der Anzahl der gewünschten Anschlüsse und dem Zugang zu den Leitungen ab (Klopfen von Unterputzschlitzen vs. Nutzung bestehender Leerrohre).
| Objektgröße | Umfang der Sanierung | Geschätzte Gesamtkosten (brutto) |
|---|---|---|
| 3-Zimmer-Wohnung (ca. 75 m²) | Kompletterneuerung inkl. Zählerplatz | 4.500 € – 8.000 € |
| Einfamilienhaus (ca. 130 m²) | Standardausstattung nach DIN 18015-2 | 9.000 € – 16.000 € |
| Einfamilienhaus (ca. 130 m²) | Gehobene Ausstattung (Smart Home / KNX) | 18.000 € – 30.000 €+ |
Typischer Ablauf einer Sanierung in 4 Schritten
Damit die Erneuerung ohne Verzögerungen verläuft, arbeiten Fachbetriebe meist nach folgendem Muster:
- Bestandsaufnahme & Planung: Ermittlung des aktuellen Zustands, Festlegung der Steckdosen- und Lichtschalterpositionen nach Raumplan.
- Rohbauphase: Fräsen von Schlitzen, Setzen der Unterputzdosen und Verlegen der neuen Kabel (NYM-J).
- Verteilerbau & Anschluss: Erneuerung des Sicherungskastens, Einbau moderner FI/LS-Schalter (Fehlerstrom- und Leitungsschutzschalter).
- Inbetriebnahme & VDE-Prüfung: Durchführung der Messungen nach DIN VDE 0100-600 und Aushändigung des Prüfprotokolls an den Eigentümer.
Sicherheit geht vor: Das VDE-Prüfprotokoll
Verlangen Sie nach Abschluss aller Arbeiten stets das offizielle Mess- und Prüfprotokoll. Dieses Dokument bestätigt, dass die Anlage den aktuellen Sicherheitsvorschriften entspricht. Im Falle eines Brands oder Wasserschadens verlangen Gebäudeversicherungen diesen Nachweis, um im Schadensfall die Kosten zu übernehmen.